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Konrad Kyeser beschrieb in seinem Werk „Bellifortis“ 1405 einen Schnorchel

Konrad Kyeser beschrieb in seinem Werk „Bellifortis“ 1405 einen Schnorchel

chon im Altertum wurde insbesondere im Mittelmeerraum erkannt, welche Schätze das Meer für den Menschen bereit hält. So lag es nahe, dass sich eine Profession entwickelte, die die beliebten Luxusartikel des Meeresgrundes bergen konnte. Besonders begehrt waren bereits in der Antike Perlen, Purpurschnecken (zum Färben von teuren Gewändern), Schwämme und bestimmte Algen. Die Taucher in der Antike hatten keine technische Atemhilfe, trotzdem konnten durch Training erstaunliche Tauchtiefen- und -zeiten erreicht werden. Insbesondere von militärischem Interesse getrieben gab es zwar wiederkehrende Überlegungen durch technische Hilfe ein längeres Überleben unter Wasser zu ermöglichen, aufgrund fehlender anatomischer, physiologischer und technischer Kenntnisse sollten diese Überlegungen vorerst jedoch rein theoretischer Natur bleiben. Der physiologische harntreibende Effekt der Immersion (des Eintauchens des Körpers bis zum Hals) war jedoch auch schon im Altertum beobachtet worden, wovon die damaligen Taucher ihren Spitznamen der „Urinator mares“ bekamen.

 

Da sich im Mittelalter der wissenschaftliche Fortschritt, insbesondere die anatomischen und physiologischen Kenntnisse nur wenig weiterentwickelten, fehlte auch in der Taucherei eine Grundlage um einen Fortschritt zu ermöglichen.

 

Tauchglocke aus dem 16. Jahrhundert

Tauchglocke aus dem 16. Jahrhundert

Erst mit der Entdeckung Amerikas bekam das Interesse am professionellen Tauchen neuen Schwung. Wieder stand das ökonomische Interesse im Vordergrund die oft kostbare Fracht aus Übersee nach dem Sinken eines Schiffes nicht dem Meer überlassen zu müssen. Schnell wurde klar, dass die bisherige Apnoe-Methode nicht effektiv genug war und man versuchte die Einsatzdauer unter Wasser zu verlängern. Unter verschiedenen Methoden atembare Luft in die Tiefe herab nehmen zu können stellte sich die Methode des englischen Astronomen Halley als die erfolgreichste heraus. Er beschwerte im Jahre 1690 ein glockenförmiges, unten offenes Faß mit Gewichten und versenkte es auf den Boden der Themse, wobei er und zwei weitere Männer aus der in der „Taucherglocke“ gefangenen Luft atmen konnten. Mittels kleinen bleibeschwerten Fässern wurde immer wieder neue Luft von oben herabgelassen.

 

Helmtauchausrüstung. Fotografiert in Salzburg, Haus der Natur, von Matthias Kabel.

Helmtauchausrüstung. Fotografiert in Salzburg, Haus der Natur, von Matthias Kabel.

Durch den ökonomischen Aufschwung in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Bedarf nach neuen Verkehrserschließungen in der alten und der neuen Welt enorm hoch. Bald schon setzte sich im Brückenbau eine Technik durch, bei der in einer mit Druckluft gefüllten Glocke, ähnlich der Taucherglocke , am Boden des zu überbrückenden Flusses trockenen Fußes gearbeitet werden konnte. Diese als „Caisson-Technik“ bezeichnete Methode war zuerst von einem französischen Bergbauingenieur in einer überfluteten Kohlengrube angewandt worden, wurde aber schnell großflächig eingesetzt, so auch zum Bau der Westminster Bridge in London oder der Brooklyn Bridge in New York. Obwohl schon recht früh Erörterungen und Erkenntnisse über auf Druckbaustellen aufgetretene Probleme (Pol und Watelle 1854, Hoppe 1857) publiziert worden waren, dauerte es noch recht lange, bis diese Erkenntnisse in die Caissonpraxis Einzug fanden. In der Zwischenzeit verloren viele Druckluftbauarbeiter ihr Leben oder mussten ihr Dasein als Krüppel fristen, da die örtlichen Druckluftärzte keine Vorstellung von der Entstehung oder der Behandlung der „Caissonkrankheit“ genannten Gesundheitsstörung hatten.

 

Nachdem bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die entscheidenden Impulse für eine ärztliche Beschäftigung mit Fragen der Überdruckexposition aus dem zivilen Bereich gekommen waren, rückte zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder das militärische Interesse in den Fokus. Ein früher Anlass war, dass die Erprobung des Torpedos als Unterwasserwaffe zu zahlreichen Verlusten der teuren Prototypen führte, sodass die Marinetaucher in bis dahin als für unerreichbar gehaltene Tiefen absteigen mussten um die Waffe zu bergen. Bei vielen Tauchern zeigten sich daraufhin Symptome, die in dieser Form bisher nur bei Druckluftbaustellen Arbeitern aufgetreten waren, da Taucher vorher die nötigen Tiefen nicht erreicht hatten. Um der Problematik auf den Grund zu gehen beauftragte der englische Marineminister seinen Bruder John Haldane, einen damals hoch renommierten Physiologen, mit der Aufklärung dieser Zwischenfälle und der Ausarbeitung von Präventionsmaßnahmen. Aufgrund der Erfahrung bei den Marinetauchern und vieler tierphysiologischer Versuche, teilte Haldane als erster den Körper in fünf fiktive Kompartimente mit unterschiedlich langen „Halbwertszeiten“ ein und schuf auf dieser Basis die ersten Austauchtabellen, wobei sich die stufenweise Dekompression im Vergleich zur linearen als praktikabler erwies.

 

Die U.S. Marine wiederholte diese Versuche zehn Jahre später vor Hawaii. Als Ergebnis wurde das erste U.S. Navy Diving Manual veröffentlicht, das jahrzentelang auch für die internationale Berufstaucherei Maßstäbe setzte. Auch in den folgenden Jahren kamen die Meilensteine der Tauchmedizin aus dem militärischen Bereich, insbesondere trugen die angloamerikanischen Mächte zur Erkenntnisweiterung bei. So etwa die Erprobung von Helium als Inertgas zur Verringerung des Atemwiderstands in großer Tiefe (1919), die Erkennung der arteriellen Luftembolie als eigenständiges Krankheitsbild (1931), die Aufklärung des Phänomens des „Tiefenrauschs“ als stickstoffinduziert (1935), die Anwendung von Sauerstoff bei 2 bar Überdruck als Therapiegas bei der Caisson-Erkrankung (1936) und weitere. Bei all diesen Forschungsprojekten war sicher der „Kalte Krieg“ der Motivationsfaktor; für den zivilen Bereich ergab sich nur wenig Stimulation.

 

Nereo Cave, südlicher Eingang; Foto von Marco Busdraghi

Nereo Cave, südlicher Eingang; Foto von Marco Busdraghi

In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts brachte dann eine neue Triebfeder die Tauchmedizinische Forschung voran. Mit dem Beginn der Gewinnung von Erdöl- und –gas im Offshore-Bereich stieg das Interesse an bis dahin unerreichten Tauchtiefen auf bis zu 200m erneut an. Besonders in der Nordsee ereigneten sich in den ersten Jahren der Offshore-Taucherei gravierende Zwischenfälle, die häufig tödlich endeten, sodass die Regierungen zusammen mit den Ölplattform betreibenden Unternehmen nach Problemlösungen suchten. Es entstanden zahlreiche Forschungseinrichtungen darunter auch in Geesthacht bei Hamburg und Porz bei Köln. Inzwischen hat diese Dynamik jedoch wieder etwas nachgelassen und die tauchmedizinische Forschung konzentriert sich momentan hauptsächlich auf das Gebiet des Sport- und Freizeittauchens.






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